Straßenausbau mit Herz statt mit Motorsäge!
In der Stubenrauchstraße in Zossen, zwischen dem Bahnhof und dem Kreisverkehr bei Kaufland, sollen 55 Alleebäume gefällt werden. Seit 2023 liegen der Stadtverwaltung die Pläne des Landesbetriebs vor, diesen Abschnitt der Bundesstraße 96 grundhaft zu erneuern – inklusive Geh- und Radwegen.
Ein wichtiges Vorhaben, keine Frage. Doch in der aktuellen Form würde es bedeuten, dass diese 55 Bäume beiderseits der Straße gefällt werden. Ein Verlust, der sich nicht einfach ausgleichen lässt. Denn ein junger Baum ist kein Ersatz für einen alten: Er spendet nicht denselben Schatten, filtert nicht dieselbe Menge Luft, bietet nicht denselben Lebensraum. Er braucht Jahrzehnte, um das zu leisten, was die bestehenden Bäume heute schon tun.
Ein echter Ersatz ist auch nicht geplant. Vielleicht können fünf Bäume stehen bleiben, und vielleicht werden neun neue Bäume an der Stubenrauchstraße gepflanzt. Es bleibt jedoch dabei, dass der ganz überwiegende Teil dieser Allee gefällt werden soll. Der Straßenabschnitt der Stubenrauchstraße gehört zu den am stärksten befahrenen Straßen in Zossen – mit den entsprechenden Beeinträchtigungen für die Anwohner* innen.
Insofern spielen die 55 gesunden, starken Alleebäume eine wichtige Rolle. Seit Jahrzehnten prägen sie das Stadtbild für viele Menschen. Sie sind weit mehr als bloßes »Straßenbegleitgrün «: Sie spenden Schatten in heißen Sommern, dämpfen den Verkehrslärm der meistbefahrenen Straße der Stadt und filtern Schadstoffe aus der Luft. Sie sind lebendige Klimaanlagen, Lärmschutzwände und Sauerstoffspender zugleich. Ihr Wert lässt sich nicht in Baukosten oder Quadratmetern Asphalt messen, sondern in Lebensqualität, Gesundheit und dem Gefühl, in einer Stadt zu leben, die ihre Natur nicht leichtfertig opfert.
Auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung (SVV) am 10.06.2026 stand der Abschluss einer Planungsvereinbarung über den Ausbau der Bundesstraße 96 zwischen der Stadt Zossen und dem Landesbetrieb Straßenwesen. Darin enthalten ist eine Planungskostenbeteiligung von 118.650 Euro, die die Stadt aufbringen soll. Aus den Informationen zur Vorlage geht hervor, dass ein Planfeststellungsverfahren offenbar bereits läuft.
Der Bauausschuss hat sich geweigert, fertige Pläne einfach abzunicken. Er forderte einstimmig Verhandlungen mit dem Land Brandenburg, um den Erhalt der geschützten Alleebäume zu erreichen. Und genau das ist der richtige Weg. Denn es geht nicht darum, die Erneuerung der Straße zu verhindern – es geht darum, sie klug zu gestalten.
Es gibt Lösungen, die beides ermöglichen: eine moderne, sichere Straße mit neuen Geh- und Radwegen und den Erhalt der Allee. Andere Kommunen haben es vorgemacht. Straßen können angepasst, Leitungen verlegt, Radwege verschwenkt werden – ohne dass eine ganze Allee geopfert wird.
Die SVV hat noch keinen Beschluss zum Abschluss der Planungsvereinbarung gefasst. Nach der Sommerpause soll nun der Landesbetrieb Straßenwesen das Projekt den Stadtverordneten vorstellen.
