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Johannes Klemt
Carsten Preuß
Das Foto zeigt Carsten Preuß.

Carsten Preuß, stellv. Vorsitzender der Fraktion SPD-Linke-Grüne/B90

Nordumfahrung Dabendorf: Zossen Ein teures Projekt mit vielen Fragezeichen

Die geplante Nordumfahrung in Dabendorf bleibt ein Dauerthema in Zossen.

Zwölf Millionen Euro an Fördermitteln stehen bereit, um ein Gewerbegebiet an die B 96 anzuschließen. Insgesamt soll das Projekt rund 20 Millionen Euro kosten – ein erheblicher Betrag, von dem die Stadt selbst etwa sieben Millionen Euro tragen muss.

Die neue Trasse soll von der bestehenden B 96 abzweigen, die Fernbahnstrecke Berlin–Dresden überqueren und anschließend das geplante Gewerbegebiet »Zossen Nord« erschließen.

Ein Gebiets- tausch mit Rangsdorf wurde bereits beschlossen, zudem gründen beide Kommunen eine Arbeitsgemeinschaft zur Planung einer möglichen Ortsumfahrung Groß Machnow.

Doch gerade diese Perspektive sorgt für Kritik. Richtig ist, dass täglich mehr als 13.000 Fahrzeuge die B 96 in Groß Machnow passieren – eine Zahl, die durch die Nordumfahrung weiter steigen könnte. Eine zusätzliche Ortsumfahrung erscheint vielen unrealistisch und ist aus meiner Sicht ökologisch problematisch, da mehrere Schutzgebiete betroffen wären.

Auch die Wirksamkeit der Nordumfahrung Dabendorf ist zu hinterfragen. Ein Großteil des Verkehrs im Ort ist Start- und Zielverkehr, der durch eine neue Straße kaum reduziert würde. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Prioritätensetzung: Während Millionen in eine Straßenanbindung fließen sollen, bleiben wichtige Projekte wie der Ausbau der ehemaligen Gesamtschule Dabendorf zur Grundschule, die Sanierung weiterer Schulen und Kitas, der Neu- und Ausbau von Feuerwehrgerätehäusern sowie der Bau von Rad- und Gehwegen auf der Strecke.

Hinzu kommt, dass das Landschaftsschutzgebiet »Notte-Niederung« durch die geplante Trasse beeinträchtigt und zerschnitten würde.

Parallel dazu belastet der Ausbau der Bahnstrecke Berlin–Dresden die Region. Die Sperrung des Fußgängertunnels am Bahnhof Zossen dauert noch unbestimmte Zeit an, eine provisorische Brücke ersetzt ihn – allerdings ohne Barrierefreiheit. Wann der neue Tunnel in Betrieb genommen wird ist noch unklar.

Insgesamt sinkt mit dem Ausbau der Bahnstrecke die Zahl der Bahnquerungen in Zesch, Neuhof, Wünsdorf, Zossen und Dabendorf von ursprünglich elf auf sieben. Besonders problematisch ist der Bahnübergang an der Thomas-Müntzer-Straße: Der moorige Untergrund macht ein Brückenbauwerk extrem teuer, die Kosten könnten auf weit über 60 Millionen Euro steigen. Das Projekt liegt derzeit auf Eis, lediglich die Schrankenanlage soll kurzfristig an das neue elektronische Stellwerk angeschlossen werden.

Die Diskussionen zeigen: Infrastrukturprojekte in Zossen sind komplex, teuer und voller Zielkonflikte. Ob die Nordumfahrung am Ende tatsächlich mehr Entlastung oder mehr Belastung bringt, bleibt offen.