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Herzloses Schweigen - Leserbrief von Werner Borchert

Zu "Katz-und Maus-Spiel um die Notbeleuchtung", Zossener Rundschau, 23.1. 2015
 
Herzloses Schweigen
Die Sitzungen der Zossener Stadtverordnetenversammlung gleichen einem Tollhaus. Dazu tragen die  Alleingänge und Beanstandungen der Bürgermeisterin ebenso bei wie die bissigen Verbalausfälle, vor allem gegen Stadtverordnete, die weder der CDU-Fraktion, noch dem Plan-B-Lager angehören. Auch ein Versammlungsleiter, der selten Herr der Lage ist.

Nachvollziehbar, dass in einer solchen Atmosphäre dringende Sachentscheidungen für die Bürger auf der Strecke bleiben müssen. Aktuell der Haushalt oder die Straßenbeleuchtung für Wünsdorfer Bürger. Umfangreich und wohltuend sachlich in dieser Zeitung nachzulesen.  
Schockierend aber auch, dass offensichtlich dem Vorsitzenden der SVV jegliche Form von Menschlichkeit abhanden gekommen zu sein scheint.

Da will eine Witwe mit einem Redebeitrag sehr emotional den Kampf ihres plötzlich und unerwartet verstorbenen Ehemannes für  eine Notbeleuchtung in den Wünsdorfer Straßen  fortsetzen. Eine große Chance, der Frau zu diesem Schicksalsschlag  auch öffentlich – ich hoffe,  dass es wenigstens auf direktem Wege geschehen ist – Mitgefühl und Anteilnahme auszusprechen. Doch das Präsidium schweigt.

Da stehen Kinder und Eltern mit Laternen, Fackeln und Plakaten vor dem Tagungsort, um Licht ins Dunkel der Wünsdorfer Straßen zubringen. Eine Chance, auf den Willen der Betroffenen einzugehen, Worte der Verständigung  und des Verständnisses zu finden. Doch das Präsidium schweigt.

Da ist eine junge Abgeordnete der Linken, die zwischen der Sitzung im Dezember 2014 und der Sitzung im Januar 2015 zum ersten Mal  Mutter geworden ist.  Eine Chance,  mit einem Blumenstrauß und guten Wünschen einen Hauch Menschlichkeit in den streitenden Stadtzirkus zu bringen. Doch das Präsidium schweigt.

Offensichtlich nicht länger schweigen wollen die Bürger. Zwischenrufe oder Beifallsbekunden sind zwar strickt untersagt,  bahnen sich  aber immer häufiger den akustischen Weg in die Ohren der  Stadtverordneten. Diese und die Bürgermeisterin sollten genau hinhören, denn dies sind die Stimmen der Wähler und je lauter sie werden, desto größer ist die Unzufriedenheit mit dem, was Bürgermeisterin und Stadtparlament den Bürgern zumuten.   

Werner Borchert
Nächst Neuendorf, 25.01.2015