Verschwörung gegen zwei Löwen

Zu ihrer, wohl doch nun letzten Sitzung vor den Kommunalwahlen, hatten sich die Stadtverordneten der Stadt Zossen am 9. September versammelt. Neben der Sache mit dem Auftritt vom stellvertretenden Bürgermeister in der Öffentlichkeit gegen über einem NDR Fernsehteam, die im Bericht aus der Verwaltung gar nicht erst erwähnt wurde, war da noch die Sache mit dem Sprachrohr der Bürgermeisterin, der Zossener Stimme und was noch?

Ach ja da war noch der Ausfall der kecken und ach so coolen Bürgermeisterin in ihrer letzten persönlichen Abrechnung vor der SVV mit Herrn Schulze. Dieser Ausfall ließ noch einmal das ganze Ausmaß der Verschwörung gegen zwei Löwen deutlich werden, nämlich gegen den Verein „Leo“ und gegen dessen Vorsitzenden, vom Sternzeichen Löwe. Obwohl bekannt, gestand die Bürgermeisterin erstmals öffentlich ein, dass hier eine Verschwörung im Gange war. 

Zur Erinnerung, der Vorsitzende des „Leo“ e.V. Dr. Rainer Reinecke, hatte gewagt sich in Zossen politisch zu engagieren. Gemeinsam mit Freunden gründete er attac tf, also eine sich der Kontrolle der großen „Volksparteien“ entziehenden politischen Organisation. Auch aus Sicht der Bürgermeisterin war da  etwas entstanden, was sie nicht unter Kontrolle hatte. Auch unliebsames Personal war hier nicht so einfach zu wechseln wie bei den KITAS. Dann organisierte der mit dem Sternzeichen Löwe noch Montagsdemos gegen Hartz IV und macht mit seinen Freunden auch auf Armut per Gesetzt auf einer SPD Wahlkundgebung aufmerksam. Dies war für die politisch Mächtigen dann doch zu viel. In diesem Fall scheinen die Auskünfte der Verwaltungschefin doch glaubwürdig, wonach zwischen den politisch Mächtigen in dieser Stadt abgesprochen war, die Löwen müssen weg. Das Sahnehäubchen bildet aber dann doch die Aussage, dass die eigentliche Jagd auf die Löwen erst nach der Bundestagswahl erfolgen sollte. Offensichtlich hatten doch einige dieser Mächtigen von CDU, SPD und Verwaltung soviel Realitätssinn, dass diese Aktion nicht ohne Protest ablaufen würde. So ließ man die Löwen noch den zehnten Jahrestag des „Leo“ e.V. begehen. Glückwünsche überbrachten unter anderem die Bürgermeisterin und Frau Susanne Michler (CDU) als Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Bildung, Jugend und Sport. Im August 2005, durften die Löwen genau vor diesem von Frau Michler geleiteten Ausschuss berichten und ihre Konzeption für die Jahre 2006 bis 2009 vorstellen.

Doch dann geschah etwas unerwartetes der Jugendhilfeausschuss des Landkreises hatte den Tagesordnungspunkt, Bedarfsplanung und Stellenförderung auf die Septembersitzung vorgezogen. Jetzt entstand dringender Handlungsbedarf. Am Nachmittag vor der Sitzung am 21.09. tauchte die Bürgermeisterin in der Höhle der Löwen auf und verkündete, dass sie am Abend dem Ausschuss mitteilen werde, dass die Löwen ihre Höhle verlieren sollten. Der Löwe mit dem Sternzeichen, selbst Mitglied in diesem Ausschuss hatte noch vier Stunden Zeit bis zur Sitzung, um das Schlimmste abzuwenden. Frau Michler gestand am Telefon ein, dass sie das Vorgehen mittrage und verkündete aufgrund der getroffenen Absprachen: „Sie werden in der SVV“ keine Mehrheiten mehr finden“ und die Kreisverwaltung bedauerte sehr, dass sie eine entsprechende Mitteilung der Stadt aus dem April 2005 nicht ausreichend gewürdigt habe. Der Auftritt der Bürgermeisterin in der Jugendhilfeausschusssitzung gestaltete sich dann zu einer Farce. Allein auf die Frage, ob sie den die SVV und die Ausschüsse mit einbezogen habe, musste sie verneinen und musste von der Ausschussvorsitzenden sogar zur Ordnung gerufen werden.

Diese vorgezogene Ausschusssitzung nimm die Bürgermeisterin heute noch zum Anlass, um zu behaupten, dass sie allein wegen der Zeitschiene keine Zeit gehabt hätte die SVV einzubeziehen. Das ist schlicht und einfach gelogen. Denn selbst bei einer Behandlung der Thematik im Jugendhilfeausschuss erst im November oder gar im Dezember, hätten dem Leo die Räumlichkeiten bis ende September gekündigt werden müssen, wie sie es dann ja auch getan hat. „Eine persönliche Genugtuung werde ihr das Überbringen der Kündigung sein“ so verkündete sie nach Auskunft von Teilnehmern einer Auseinandersetzung auf dem Weinfest. 

Über die Verleumdungen und Intrigen, aber auch über den letztlich erfolgreichen Protest wurde seinerzeit in den Medien ausführlich berichtet. Da sollen laufend politische Veranstaltungen in den Jugendclubs stattgefunden haben. die einzige politische Veranstaltung die dort wirklich stattgefunden hatte, und dies bestätigten Jugendliche mehrfach, war eine Wahlveranstaltung zur Inthronisierung der Bürgermeisterin. Da behauptete die Bürgermeisterin in einem offiziellen Papier zur Begründung des Trägerwechsels , sie habe den Leiter des Jugendklubs, dieser übte zu diesem Zeitpunkt bereits seit zehn Jahren diesen Job aus, dass Öffnungszeiten am Vormittag wenig sinnvoll seien. Da stimmt ein Lehrer, dem eigentliche auch außerschulische Arbeit mit Jugendlichen am Herzen liegen müsste, gegen den Leo, ohne jemals sich über die Arbeit vor Ort informiert zu haben. Als Fraktionen haben vor allem die PDS/Bündnis90-DieGrüne und die VUB den Leo ohne Vorbehalte unterstützt.

Doch schließlich haben die Jugendlichen selbst mit den Füßen abgestimmt. Innerhalb von vier Tagen 1300 Unterschriften gegen die Entscheidung der Bürgermeisterin gesammelt. In den Stadtverordnetenversammlungen haben jeweils mehr als 50 Jugendliche das Verhalten jedes Abgeordneten in ihrer Angelegenheit genau unter die Lupe genommen und sich selbst zu Wort gemeldet. Das Jugendparlament tagte in Sondersitzungen, sprach sich gegen das Verbehalte der Bürgermeisterin aus, suchte aber auch nach einem Ausgleich. Eltern und Einwohner der Stadt, die die Arbeit der Löwen, der Mitarbeiter und der vielen ehrenamtlichen Helfer offensichtlich besser kannten als gewählte Volksvertreter von CDU und SPD schalten sich öffentlich in diese Auseinadersetzung ein. Die Fraktion PDS Bündnis 90 und die Fraktion der VUB unterstützten vorbehaltlos den Leo.Der Pettionsausschuss des Landtages bestätigte, die in einer vom Leo e.V. eingereichten Petition vorgebrachten Kritikpunkte am undemokratischen Verhalten der Bürgermeisterin.

„Zur Geschäftsordnung“ aus den Reihen der SPD-Fraktion, als die Bürgermeisterin in der SVV die Affäre mit den zwei Löwen noch einmal in der letzten SVV noch einmal aufkochte. Mit der Hand zum Mikrofon greifend der Vorsitzende der SVV „Ich entziehe Ihnen das Wort!“. Dazu hätte er schon öfter Gelegenheit gehabt, denn nicht immer trat die Bürgermeistern, so ehrlich auf. Diese Aufgeregtheit bei der SPD-Fraktion wäre gar nicht notwendig. Sie hat doch schließlich unter dem Druck der Proteste eingelenkt. Viele SPD-Mitglieder unterstützen heute den Leo. 

Wie hat doch in etwa die 2. Vorsitzende des Leo e.V. treffend in der MAZ geschrieben, wenn der Leo e.V. auch den politischen Hurrikan 2005 überlebt hat, so hat dieser doch seine Schadensspur hinterlassen. Überleben gesichert, Umfeld zerstört, so lässt sich die Sache auch am Ende charakterisieren. Dennoch Löwen geben nicht auf. Als Förderverein werden sie noch viel für die Jugendarbeit in der Stadt und das Lebensumfeld neu gestalten.